Kiez-Report April 2003: Seite 3
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»Einmal Mahlsdorf – und zurück«
Diesen Fahrschein gibt es natürlich nicht mehr. Die gute alte 83 fuhr damals vom Hultschiner Damm/Mahlsdorf bis nach Wendenschloss....
Diese Kolumne wird geschrieben von Sigrid Müller, Jahrgang 1946. Sie stammt aus dem Haus einer uralten BVG Familie. Urgroßvater, Großvater, Vater, Mutter, sie selbst und heute noch drei ihrer Geschwister sind diesem Betrieb in guten wie in schweren Tagen immer treu geblieben. Durch ihre Geschichten wird sich der Leitfaden »Straßenbahn« ziehen, so wie diese hier durch die Bezirke fährt. Verknüpft mit Geschichten der Menschen, die am Gleisrand wohnen und nicht nur für Kolumnenschreiber interessant sind. Viel Spaß beim Lesen. simü
In der Mitte dazwischen, in der Mannheimer Straße, wohnten in den Fünfzigern meine Großmutter Karoline und Opa Gustav. Meine Großmutter, eine gebürtige Lettin, von kräftiger Statur und ein wahrer Haudegen, mit einem guten Herz unter der rauen Schale, war nach dem Krieg durch die Liebe zu ihrem Gustav nach Deutschland gekommen.
Heute bin ich unterwegs, um zu sehen, was aus dieser Gegend geworden ist. Seit dem Tod des Großvaters war ich nicht mehr hier. Mir fallen die vielen, schönen neuen Ein- und Mehrfamilienhäuser auf. Nichts erinnert mehr an meine Kindertage, an den Garten, in dem ich gespielt habe, wo ich meinen ersten Freund fand. Mit dem Motorrad nachmittags zum Kaulsdorfer Kiessee; 15 war ich, ein heißer Sommer, und das Herz wurde auf der kurzen Strecke genauso heiß wie der Zweittaktmotor der MZ....
Ich laufe hoch zum See bis zur Mannheimer Str. 75. Hier will ich heute klingeln. Adomates, Ines steht an der Klingel. Und darunter: Hebamme. »Guten Tag Frau Adomates.« Wir wollten doch heute....
»Ja, guten Tag«, sagt sie. »Ich nehme Sie gleich mit in meine Praxis.« Beste Gelegenheit für mich, den Mahldorfer Nachwuchs zu bestaunen. Wir fahren ins Ärztehaus am Bahnhof Mahlsdorf. (Mit dem PKW- Straßenbahnfahren zählt heute zu meinen »Vergnügungsreisen«). Kaum sind wir da, kommen auch schon zwei Muttis mit ihren prächtigen Babys. Frau Adomates betreut die Vor- und Nachsorge, hilft mit gezielter Aufklärung Ängste abbauen, hat immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für die jungen Mütter, dazu ein gutes Gespür für unsere neuen Erdbewohner. In ihrer Praxis, die viel Wärme und Fürsorge ausstrahlt, fühle sogar ich mich wohl. Meine Kinder habe ich ja schon bekommen, vor 30 Jahren im Kaulsdorfer Krankenhaus.
Ich schaue den Kleinen beim Turnen zu, freue mich und wünsche dem Bezirk viele niedliche, gesunde Babys, die ja vielleicht irgendwann mal .... Straßenbahn fahren???.....
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