Kiez-Report April 2003: Seite 4
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Die erste Frühlingssonne
Ich weiß nicht mehr wie viele Jahre es her ist, daß ich nicht in „meinem“ Schloßpark in Friedrichsfelde spazieren gegangen bin?
So viele schöne Kindheitserinnerungen verbinden mich mit diesem Park, dessen Bäume meine Kindheitsträume noch wissen müßten. Endlich scheint nach einem grauen, kalten Winter die erste zarte Frühlingssonne. Ich setze mich in`s Auto und freue mich auf den Park. Auch dieses Mal enttäuscht er mich nicht. Wie früher laufe ich die breiten Wege in Gedanken versunken langsam und entspannt entlang. Auf nichts muß ich achten, denn ich kenne jeden Stein, jede Wegbiegung. Die alten Bäume recken ihre kahlen Äste weit in den Himmel und manch ein alter Baum knarrt mir freundlich entgegen. Ich finde eine Bank, die dicht neben dem alten Schloß in der Sonne steht. Hier darf ich sein. Ich schließe meine Augen und ruhe tief in mir.
Plötzlich steht meine Jugendliebe vor mir. Manfred war ein groß gewachsener, blonder und fröhlicher junger Mann. Zärtlich küßt er mein Ohr und ich spüre genau wie vor dreißig Jahren, diese unglaubliche Gänsehaut die mich als junges Mädchen völlig verunsicherte. Er lachte wie immer, denn er kannte meine Unsicherheit und es machte ihm Spaß mich so verlegen zu sehen. Ganz sicher waren es nur ein paar romantische Sekunden auf meiner Parkbank, als die bisher so klare, saubere Luft stark nach Vanille duftete. Vanille dachte ich, dieses Aroma soll eine appetitszügelnde Eigenschaft haben. Ich öffnete die Augen und sah einen alten Mann neben mir auf der Bank sitzen. Er rauchte genüßlich seine Pfeife und blickte mit seinen trüben Augen in den Himmel. Ich war verärgert, denn ich fühlte mich um meine Träumereien betrogen. Der Mann sah mich an und sagte. „Die erste Sonne... wissen Sie, ich habe sie verdammt nötig. Ich saß oft mit meiner Frau auf dieser Bank. Sie liebte diesen Platz.Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen ist sie mir verstorben. Heute ist ihr Geburtstag.“ Ich sah den alten Mann lächelnd an und erhob mich langsam. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, genießen Sie die Sonne.“ Der alte Mann nickte stumm. „Ich wollte Sie aber nicht vertreiben,“ sagte er. „Das tun Sie auch nicht. Ein Spaziergang wird mir gut tun.“ Tief atmete ich die würzige Luft ein. Die alten Bäume nahmen mich schützend in ihre Mitte.
Ich begann weiter zu träumen, so wie man nur in einem wunderschönen Schloßpark träumen kann.
Kiez-Reporterin A. LübckeSeite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 |
