Kiez-Report Mai 2003: Seite 5
Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7
„Praxis“ Puppen Dr. Jura
Traurig, mit dem kranken Puppenkind im Arm, kommt klein Julia in die Puppenklinik von Susanne Jura am Hultschiner Damm 132.
Der Kopf ist ab und muß sofort wieder aufgesetzt und fest verschnürt werden. 5 Euro kostet die Sofortreparatur und als Dank blickt Mutti in strahlende, glückliche Kinderaugen.
Seit 1983 ist die Werkstatt von Frau Jura eine wichtige Adresse für schlackernde und fehlende Gelenke, klemmende Augen, gesprungene Köpfe und stimmenlose Bären- und Puppenkinder. In die Mahlsdorfer „Praxis“ kommen aber auch sehr schwierige Fälle und die landen dann gleich auf der „Intensivstation“. Hier ist die diplomierte und beim ehemaligen Deutschen Fernsehfunk profilierte Kostüm- und Bühnenbildnerin voll in ihrem Element. Aus der Handwerkerin wird ein Künstlerin.
Im Jahr 2000 war’s. Ein völlig zerstörter Puppenkopf aus dem Postmuseum mußte neu gefertigt werden (siehe Fotos). Ganze 2 Monate dauerte es, bis der Kopf aus Pappmache’ modeliert und angeglichen war und Frau Jura die Puppe mit selbstgenähtem Frack und Hemd aus den 20ziger Jahren neu präsentieren konnte. Diese sehr schönen aber auch teuren Aufträge von Theatern und Museen sind eher selten.
Vorwiegend kommen zu den Öffnungszeiten Montag und Freitag 13 bis 16 Uhr und Dienstag 19 bis 20 Uhr kleine und große Leute mit ihren Lieblings- Puppen, Bären- und Plüschtieren, aber auch mit ganzen Sammlungen im Koffer. Die Aufträge verteilen sich nicht nur über ganz Deutschland, es kamen auch schon Deutsche die heute in Amerika und Australien leben. „Dort macht sich keiner die Mühe, dass alte Zeug zu reparieren“, sagt Frau Jura.
Da die Auftragslage sehr gut ist, muss man sich schon mal bis zu 3 Monaten von seinem geliebten Stück trennen können.
Für mich stellt sich die Frage: „Wo sind die zukünftigen Handwerker für diese Arbeit, wo man Freude schenkt wenn geliebtes Spielzeug von anno dazumal, wenn Raritäten und Kunstwerke über Generationen erhalten wird?“ Die beiden Söhne von Susanne Jura - der eine ist Musiker und der andere ein Technikfreak - sind es garantiert nicht. Natürlich gibt es interessierte, neugierige Puppenmuttis die ihr liebstes Spielzeug mitbringen und unter Anleitung reparieren dürfen. Vielleicht kommen sie ja öfter? Frau Jura würde sich freuen, obwohl die Zeit knapp ist.
An dieser Stelle ein Dankeschön von den Kindergruppen, die sich in der Werkstatt alles anschauen durften und für die Beantwortung der vielen neugierigen Fragen.
Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7



