Kiez-Report März 2004: Seite 4

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Friseur- und Handwerkermuseum Marzahn

Die Einen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, die Anderen nicht das Friseur- und Handwerkermuseum in Marzahn vor lauter Häusern.

In der Tat ist der Stadtbezirk im Osten der Stadt für viele Bürger der Inbegriff des Wohnens in einem Plattenbau. Wenige wissen von dem Attraktiven, Sehenswerten, das Marzahn bietet. Da soll nicht nur auf den chinesischen und japanischen Garten verwiesen werden.

Alt-Marzahn ist zweifellos eine Oase in diesem Stadtbezirk, die zu jeder Jahreszeit eine Reise wert ist. Es gehört sicher zum Pflichtprogramm der Familien, Marzahn einen Besuch abzustatten Unweit von der alten Mühle, den im Dorfkern stehenden Heimatmuseum und dem Streichelzoo befinden sich in einem alten Bauerngehöft gleich zwei Museen. Das Bauernhaus in Alt-Marzahn 31 ist das Domizil des Friseurmuseums. In den dazu gehörenden Stallungen befindet sich das Handwerkermuseum. Über 12.000 Exponate dokumentieren im Bauernhaus die Entwicklungsgeschichte der Bäder, Barbiere, Perückenmacher und Friseure. Wer es noch nicht gewusst hat, erfährt hier, belegt durch entsprechende Instrumente, dass sich der Barbier vor Jahrzehnten auch der Zahnbehandlung gewidmet hatte. So wie der Perückenmacher eben auch Haarschmuck wie Broschen, Ketten, Uhrenbänder und anderes aus natürlichem Haar herstellte.

Glanzstück der Ausstellung bilden zwei restaurierte Originalfrisierplätze aus dem Salon Francois Haby, entworfen vom Jugendstilkünstler van de Velde. Nur verständlich, dass angehende „Haarkünstler“, vor allem Auszubildende den Weg nach Marzahn nehmen, um sich mit der Arbeit ihrer Berufskollegen aus vergangenen Zeiten vertraut zu machen. Wer dann einmal in Alt-Marzahn 31 ist, schaut sich auch die Ausstellung des Handwerkmuseums an. Hier werden in wechselnder Folge die verschiedensten Gewerke als auch Themen der Volkskunde vorgestellt. Beeindruckend sind die Sammlung neuer Werbeträger aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, z.B. Emaile-Plakate, und Blechspielzeug. Einzigartig ist die reiche Sammlung an Schlössern und Schlüsseln, darunter die Berliner Stadttorschlösser und -schlüssel -, die die Entwicklung der Schließtechnik und des Schlosserhandwerks über Jahrhunderte dokumentiert. Wer in Ruhe durch die Räume und Schaudepots geht, wird nach einem Besuch der musealen Einrichtung in Marzahn über die Leistungen der Handwerker mit großer Hochachtung reden und verstehen, dass auch in der heutigen Zeit, dem Handwerk die Zukunft gehört.

Geöffnet sind das Friseur- und Handwerkermuseum der Stiftung Stadtmuseum Berlin in Alt-Marzahn 31 dienstags, mittwochs, samstags und sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie Alt-Marzahn ab S-Bahnhof Springpfuhl mit der Straßenbahn 8 oder von S-Bahnhof Marzahn mit den Straßenbahnen 6,7,17 oder den Bussen 154 und 192.

 

Kiez-Reporterin: K.-H. Frenzel



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