Bachmann Immobilien Kiez-Report April 2004: Seite 5
Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 |
Des Königs Wusterhausen
Es war an einem Frühsommertag des Jahres 1950, als ich in einem Personenzug von Cottbus nach Berlin fuhr.
Der Mann, der mir im Zugabteil gegenübersaß, nickte mit dem Kopf auffordernd zum Fenster und wies mit dem Zeigefinger an die Fensterscheibe. „Königs Wusterhausen!“. Aha. Im Dunkel der Nacht sah ich nur rote Lichter. Das waren die Funktürme.
Von Königs Wusterhausen hatte ich schon gehört. Der Name des Ortes befand sich zu Hause auf der Skala unseres Rundfunkempfängers. Den Ort selbst, die Stadt, habe ich Jahre später erst gesehen, als ich Bürger des gleichnamigen Landkreises wurde. Bereits im Jahre 1911 wurden auf dem damaligen Windmühlenberg von Königs Wusterhausen durch ein Telegrafenbatallion funktechnische Versuche durchgeführt. Lichtbogensender wurden dazu benutzt. Die Antennen wurden mit Ballons und Drachen in die Höhe gehoben. Die Versuche waren erfolgreich.
So wurde entschieden, hier eine Militärfunkstation zu errichten.
Noch viele Jahre gingen in’s Land bis am 22. Dezember 1920 erstmalig ein Weihnachtskonzert ausgestrahlt wurde. Wenige wissen, dass zu dieser Zeit Rundfunkhören in Deutschland verboten war. Der Tragweite dieser Versuche war man sich damals noch nicht bewusst. Sie waren die Geburtsstunde eines Rundfunks für jedermann. 1925 schmückten drei Sendehäuser, ein 243-m-Sendeturm, zwölf weitere 100 bis 210 m Masten einschließlich unzähliger Antennenanlagen den Funkerberg in Königs Wusterhausen.
Der Sendebetrieb in KW ist schon lange eingestellt. Dank des Fördervereins „Sender Königs Wusterhausen“ sind die Zeugnisse der deutschen Rundfunkgeschichte in einem Museum im Keller eines der historischen Gebäude zu finden. Wer sich von den positiven Seiten der deutschen Ingenieurkunst überzeugen möchte, sollte den Weg nach Königs Wusterhausen nicht scheuen. Das Museum ist dienstags und donnerstags von 9 bis 15.30 Uhr und samstags und sonntags 13 bis 17 Uhr geöffnet. Unmittelbar neben dem Rundfunkgelände befindet sich der ehemalige Wasserturm, der Anfang der 90`er restauriert wurde. In ihm befindet sich eine gemütliche Gaststätte. Von seiner Aussichtsplattform kann man weit in das Dahmeland schauen, eine der schönsten, wald- und wasserreichsten Landschaften am Rande von Berlin. Übrigens ist diese Stadt auch des Königs Wusterhausen.
Im Jahre 1707 erhält der Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm I. die Erlaubnis, in den hiesigen Forsten zu jagen. Das Jagdschloss am Fuße des Funkerberges, jahrzehnte zweckentfremdet, erstrahlt heute im neuen Glanz. Es ist Preußischer Kulturbesitz. Mit einem Besuch der historischen Stätte kann man auch heute noch seiner Majestät seine Reverenz erweisen.
Kiez-Reporterin: K.-H. Frenzel
Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 |



