Kiez-Report November 2004: Seite 4
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Freigehege für ein Wappentier
Die märkische Gemeinde Grünheide, idyllisch gelegen zwischen Wäldern und Seen, führt seit 1934 die Europäische Sumpfschildkröte in ihrem Wappen.
Obwohl das Geheime Staatsarchiv zunächst der Meinung war, dass es sich hier um kein Wappentier handele, gab das damals zuständige Innenministerium schließlich seine Zustimmung, zum Wappenentwurf, da die Antragsteller darauf verwiesen, dass es im Werlsee eine starke Population gäbe und damit eine Besonderheit gegenüber den Nachbargemeinden vorläge. Doch diese Zeit ist längst vorbei. Denn inzwischen gilt die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) so gut wie verschollen und steht deshalb auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.
So fanden sich 1999 rund 20 Naturfreunde zusammen, die es sich zur Aufgabe stellten, etwas für „ihr“ Wappentier zu tun. Vorangegangen war ein Aufruf an die Bevölkerung mit der Bitte um Mitteilung, wer etwas über den Verbleib der Sumpfschildkröten weiß. Trotz intensiver Nachforschungen wurde seitdem aber erst ein Exemplar im Dämeritzsee gesichtet.
Dazu Dr. Max Tesch, Initiator und Vereinsvorsitzender des 2003 gegründeten „Freundeskreis Wappentier – Grünheide/Mark e.V.“: „Ziel unseres Vereins mit derzeit 45 Mitgliedern ist es, einen Beitrag zum Erhalt bzw. zur Wiederansiedlung der Sumpfschildkröte im Raum der Gemeinde Grünheide zu leisten:“ Die Idee zum Bau eines Freigeheges war damit geboren, ein geeigneter Standort auf dem Weg vom Bahnhof Fangschleuse zum Ort in unmittelbarer Nachbarschaft der Gerhart-Hauptmann-Schule, der Begegnungsstätte und der Löcknitz-Sporthalle ebenfalls gefunden. Im Dezember 2003 erfolgte bereits die Grundsteinlegung für die 400 m2 große Anlage, die Ende August feierlich eingeweiht wurde. Von einem bayrischen Züchter wurden elf Tiere gespendet, ein weiteres Exemplar kam als Dauerleihe von der Naturschutzstation Rhinluch. Gegenwärtig befinden sich diese Tiere in Pension bei einem Vereinsmitglied, der über einen kleinen Teich auf seinem Grundstück verfügt. Sinkt die Temperatur unter vier Grad, übernimmt ein anderer Naturfreund die Pflege. Wohlgenährt ziehen sich die Schildkröten dann in eigens für sie hergerichtete Boxen zu ihrem Winterschlaf zurück.
Was der Mensch einst an natürlichen Lebensräumen der Tiere durch die Trockenlegung von Sümpfen, die Begradigung von Wasserläufen oder die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft zerstörte, ist jetzt durch die Initiative der Grünheider Vereinsmitglieder den Schildkröten auf einem kleinen Fleckchen Erde wiedergegeben. Wie wir von Dr. Max Tesch weiter erfahren, ist in dem neuen, artgerechten Domizil Platz für 15 Tiere. Selbst an einem Erdhügel für die Eiablage fehlt es nicht. So entstand mit dieser Anlage ein wahres Schmuckstück, an dem die Grünheider wie ihre Besucher Freude haben werden.
Dass das Schildkröten-Gehege aber auch seinen Preis hat, ist unbestritten. Und so waren Spenden, ob es sich nun um Teichpflanzen oder eine Wagenladung Feldsteine für Dekozwecke handelte, bisher stets willkommen und werden es auch künftig sein, um die Anlage weiter zu unterhalten und die laufende Pflege der Tiere zu gewährleisten. Aber auch neue Mitglieder für den Verein sind gefragt. Nähere Infos unter Telefon: O3362/ 500 618.
Kiez-Reporterin: W. Gudenschwager
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