Kiez-Report Dezember 2004: Seite 5
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Hobrechtsfelde und seine Umgebung
Gern wird Hobrechtsfelde, innerhalb der seit einem Jahr bestehenden neuen Gemeinde Panketal, auch als das „vergessene Dorf“ bezeichnet, denn der Ort hat sich seit seiner Entstehung kaum verändert.
Doch das inzwischen denkmalgeschützte Örtchen am Rande des Ortsteils Zepernick hat durchaus seine Reize und vor allem eine sehr interessante Geschichte. Hobrechtsfelde wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und ist mit der Industrialisierung und dem rasanten Wachstum von Berlin eng verbunden. Namensgeber für den Ort ist der Stadtbaurat, Ingenieur und Architekt James Friedrich Ludolf Hobrecht (31.12.1845-08.09.1902)
Hobrecht gehörte zu den Verfechtern eines Hygienesystems in Großstädten (Kanalisation) und wurde bekannt durch seinen 1862 veröffentlichten Bebauungsplan der Umgebung Berlins. Sein Generalbebauungsplan, der sein Leben und Wirken maßgeblich bestimmte und innerhalb einiger Jahrzehnte umgesetzt wurde, bestimmt noch heute die Straßenstruktur, vor allem im Norden der Stadt.
Ab 1869 verwirklichte Hobrecht mit der Unterstützung seines Bruders Arthur Hobrecht (1824–1912), der von 1872 bis 1878 auch der Oberbürgermeister von Berlin war sowie Rudolf Virchow (1821–1902) seine Pläne der Umsetzung einer Stadt-Kanalisation. Mit dem zwischen 1875 und 1892 fertig gestellten Hobrechtschen Kanal- und Rieselfeldersystem (die Abwässer landeten unter anderem auf den Feldern um diesen Ort herum und wurden zur Düngung der Felder genutzt) wurde Berlin damals zu einer der saubersten Städte der Welt.
Heute, nachdem in diesem Gebiet Mitte der 80-er Jahre die nahezu einhundertjährige Rieselfeldgeschichte zu Ende ging, lässt es sich hier hervorragend Wandern und auch die einzigartige Natur des Barnimer Landes entdecken. Im Naturpark Barnim gibt es Einiges über die Entstehung der heutigen Landschaft, der reichhaltigen Flora und Fauna sowie die Kulturgeschichte der Region zu entdecken. Abseits der großen Stadt sind verschiedene Wanderwege gekennzeichnet. Hier befindet sich, wer geduldig unterwegs ist, das größte zusammenhängende Waldgebiet im Berliner Norden. Die ehemaligen Rieselfelder mit dem heute denkmalgeschützten Kornspeicher und der Freiluftgalerie in Hobrechtsfelde sind für Freunde der Geschichte eine kleine Reise wert.
Kiez-Reporterin: E. Nemschok
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