Bachmann Immobilien Kiez-Report Juni 2005: Seite 3
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Grünau und die Regattastrecke
Grünau wird in einem Atemzug mit der Regattastrecke genannt. Diese Wettkampfstätte des Wassersports ist weit über die Grenzen Berlins und unseres Landes hinaus bekannt.
Der Bau der Regattaanlage war ein schwieriges Werk. Die sumpfigen Ufer mussten durch Aufschüttungen und Bollwerke befestigt werden. Als ich im Frühjahr 1950 erstmalig die Tribüne der Ruderstrecke betrat, war sie kurz vorher von der russischen Besatzungsmacht den deutschen Behörden für die weitere sportliche Nutzung übergeben worden. Schon damals war viel Wasser der Dahme durch den Langen See geflossen. Wenigen war und ist bekannt, dass die Geschichte dieser Wettkampfstätte weit in das 19. Jahrhundert zurück reicht. Damals lag Grünau noch ganz weit draußen vor den Toren der Stadt. Im Juni 1880 fand erstmals eine Ruderregatta auf dem Langen See in Grünau statt. Zwischen 1900 und 1931 wurden auf der Grünauer Regattastrecke 11 deutsche Meisterschaften ausgetragen.
Als die Ruderwettbewerbe der XI. Olympischen Spiele im Jahr 1936 an Grünau vergeben wurde, zollte man damit den Leistungen der Grünauer Wassersportfamilie Anerkennung. Das olympische Feuer wurde durch Köpenicker Schüler zur Olympiastrecke gebracht. Von dort gelangte es zum Aussichtsteil der Bismarck-Warte auf den Müggelbergen. Hier loderte es für die Dauer der Spiele. Auf der Wendenschlossseite der Regattastrecke wurde damals eine zusätzliche Tribüne errichtet, die u.a. von der Grünauer Seite über eine Pontonbrücke an der Libboldallee zu erreichen war.
Der Gosener Kanal verdankt seine Existenz übrigens auch der Olympiade in Berlin. Der Schiffsverkehr wurde während der Wettkämpfe in Berlin extra über diesen Wasserweg umgeleitet.
Die sportlichen Wettkämpfe auf den Köpenicker Gewässern waren stets eine Attraktion. Bei großen Meisterschaften kamen an einem Sonntagnachmittag mehr als 50.000 Zuschauer nach Grünau. Zwischen 1960 und 1990 wurden hier 16 DDR-Meisterschaften, zwei Europameisterschaften und 1966 eine Weltmeisterschaft durchgeführt.
Das 1980 gegründete Wassersportmuseum dokumentiert unter anderem die Anfänge des Wassersports im Ortsteil Grünau von 1935. Die privat von Werner Philipp aufgebaute Sammlung wurde der Stiftung Stadtmuseum als Schenkung übergeben. Zu ihr gehören u.a. Abzeichen, Archivalien, Bildwerke, Boote, Bücher, Fahnen, Fotos, Festschriften, Kataloge, Landkarten, Medaillen und Plaketten. Der Fortbestand des Wassersportmuseums ist derzeitig noch unklar. Die Stiftung Stadtmuseum will die Grünauer Einrichtung und das Berliner Sportmuseum zusammenführen und unter Obhut des Bundes stellen. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Allerdings erwägt auch der Stadtbezirk Treptow-Köpenick das Wassersportmuseum selbst zu übernehmen.
Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel
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