Kiez-Report Februar 2006: Seite 3
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Rüdersdorf ist überall
Die Ortschronisten von Rüdersdorf wollten die Geschichte des Ortes nicht nur auf den Kalkabbau reduziert wissen. Natürlich hat auch Fontane die Gegend durchwandert und der Komponist Giacomo Meyerbeer wurde am 5. September 1791 hier in Tasdorf geboren. Das Leben der Menschen in den vergangenen 800 Jahren wurde aber unbestritten vom Bergbau bestimmt. Faszinierend ist der Blick vom Bruchrand in den Tagebau, der mit 4 km Länge und 2 km Breite der größte geologische Aufschluss in Norddeutschland ist. Er ist der einzige oberirdische Zugang zu einer Lagerstätte des Erdmittelalters. Der Muschelkalk enthält Fossilien und Mineralien mit einem Alter von ca. 240 Millionen Jahren. Ohne die hier produzierten Baustoffe gebe es kein Brandenburger Tor, kein Schloss Sanssouci, nicht das Olympiastadion und auch nicht das Hotel Adlon. Der Zement steckt u.a. in Wohnhäusern, Fabrikhallen und Autobahnen. Mit dem Rüdersdorfer Museumspark ist als ein Zeuge dieser Geschichte ein einzigartiges Ensemble von Produktionsstätten erhalten geblieben, das zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Deutschlands zählt. So stehen hier zwei 1805 und 1817 errichtete Rumfordöfen.

Sie stellen die industrielle Revolution des Kalkbrennens zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Das Rumfordische Prinzip besteht in der Trennung des Brennschachtes für den Kalkstein von dem für den Brennstoff. Um den gestiegenen Bedarf an Kalk zu decken, wurde zwischen 1871 und 1876 eine Batterie von 18 Rumfordöfen, die auch Rüdersdorfer Öfen genannt wurden, gebaut. Eindrucksvoll das Portal am Eingang des trockengelegten Bülowkanals, der um 1800 angelegt wurde, um den Transport des Kalksteins zu vereinfachen. In der einstigen Lagerhalle, der Kalkscheune, finden Ausstellungen und Konzerte statt. Nach Entwürfen Schinkels wurde sie 1830 umgebaut. In Nachbarschaft befindet sich das nach dem schwedischen Geologen, Naturforscher und Nordpolfahrer Otto Martin Torell benannte Haus, das einen umfassenden Einblick in und um den Berg bietet. Imposanter Höhepunkt eines Spaziergangs durch den Park ist der 1871 erbaute Seilscheibenpfeiler. Er stellt die technische Verbindung zwischen dem Schienennetz am Boden des Steinbruchs und der Eisenbahnstrecke her. Seilscheiben bewegten die Wagen über eine schräge Ebene von 205 m Länge. Das System wurde durch eine 130 PS starke Dampfmaschine angetrieben. Vieles wäre noch zu erzählen. Doch der Leser soll ja selbst den Weg in den Museumspark finden. Leicht zu begehende Wanderwege laden zu jeder Jahreszeit zum Entdecken ein. Alle Wege sind gut ausgeschildert. Geöffnet ist der Park in der Heinitzstraße 11 täglich von 10 bis 18 Uhr. Telefon: 033638/77445
Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel
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