Kiez-Report März 2006: Seite 3

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Auf dem Müggelberg steht eine Ruine


Die Berge hatten schon immer ihre Anziehungskraft. Als die Pfälzer 1747 begannen, das von Friedrich II. zugewiesene Land nahe der „Miggel" zu besiedeln, stellten sie alsbald den Antrag, ihnen die Müggelberge für Weinpflanzungen zu überlassen. Das wurde abgelehnt. Das Grün der Wälder verzauberte den Blick Fontanes auf seiner Kutschfahrt durch den Köpenicker Forst nach Müggelheim. Er sog förmlich den Geruch des feuchten Mooses in sich auf und schwärmte von den Gewässern links und rechts der Erhebungen. Der Köpenicker Wäschereiunternehmer Carl Spindler erschloss als erster uneigennützig das wald- und seenreiche Gebiet für Erholungszwecke. Hier konnte man auf 320 Kilometern Wald- und Wasserwegen Frischluft tanken.

1889 ließ er einen hölzernen pagodenähnlichen Turm und ein Wirtshaus bauen. Hier konnten die Wanderer einkehren und von der Aussichtsplattform einen Rundblick bis 50 Kilometer in die märkische Landschaft genießen. In den folgenden Jahrzehnten zog es jährlich zu allen Jahreszeiten fast 250.000 Menschen in die Müggelberge und an den Müggelsee. Es wurde schnell das beliebteste Naherholungsgebiet der Köpenicker und Berliner. Zwei Ereignisse der Vergangenheit lassen Gegenwärtiges in einem anderen Licht erscheinen: Als die Nazis am Ende des 2. Weltkrieges den Müggelturm (der zum militärischen Objekt erklärt wurde) sprengen wollten, hat der Gastwirt Wichelhaus unter Einsatz seines Lebens die bereits gelegte Zündschnur durchtrennt. Bei Schweißarbeiten zur Sanierung des Müggelturms brannte dieser im Mai 1958 vollständig ab. In einer Spendenaktion für seinen Neubau kamen innerhalb kurzer Zeit 130.000 Mark an Spendengeldern zusammen. 3.700 freiwillige Arbeitsstunden im Rahmen des »Nationalen Aufbauwerkes« (NAW) wurden geleistet. Der von einem Studentenkollektiv der Kunsthochschule Berlin-Weißensee entworfene Turm wurde neu aufgebaut. Am 30. Dezember 1961 wurde ein neuer, achtstöckiger Aussichtsturm eingeweiht. Er ist 29 Meter hoch und aus Beton. Heute haben wir weder Krieg noch Feuer. Der Turm steht noch und ist begehbar, die Gaststätte ist eine Ruine. Schon im 2. Jahrzehnt suchte man einen Investor. Wie viel es genau bisher waren, konnte ich nicht feststellen. Wie viel Steuergelder werden jährlich in den Sand gesetzt? Man sollte kleinere Brötchen backen, das Terrain wieder für die Bevölkerung erschließen. Die geplante Seilbahn von Grünau nach Rübezahl mit Haltepunkt Müggelturm könnte sonst nur an einer Ruine als Denkmal der Unfähigkeit vorbeiführen. Ein Desaster nannte das alles eine Berliner Tageszeitung.

Kiez-Reporter: K.-H. Frenze!

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