Kiez-Report März 2006: Seite 5
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Das Erbe von James Friedrich Ludolf Hobrecht
Hobrechtsfelde feiert 2006 sein 100-jähriges Bestehen
Obwohl die Gemeinde Panketal eine recht junge Gemeinde ist - der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden Zepernick und Schwanebeck erfolgte am 26. Oktober 2003, lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher. Zur Gemeinde Panketal gehört neben dem Ortsteil Schwanebeck auch Hobrechtsfelde. Gern wird dieser kleine Ortsteil auch als das „vergessene Dorf" bezeichnet, denn hier hat sich im Laufe der Jahre kaum etwas verändert. Doch das inzwischen denkmalgeschützte Örtchen hat durchaus seine Reize und vor allem eine sehr interessante Vergangenheit. Hobrechtsfelde wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und ist mit der Industrialisierung von Berlin eng verbunden. Namensgeber für den Ort, ehemals Stadtgut und zu Berlin gehörend, ist der Stadtbaurat, Ingenieur und Architekt James Friedrich Ludolf Hobrecht (31. Dezember 1845-8. September 1902). Hobrecht gehörte zu den Verfechtern eines Hygienesystems in Großstädten (Kanalisation) und wurde bekannt durch seinen 1862 veröffentlichten Bebauungsplan der Umgebung Berlins. Ab 1869 verwirklichte Hobrecht mit der Unterstützung seines Bruders Arthur Hobrecht {1824 bis 1912), der von 1872 bis 1878 auch der Oberbürgermeister von Berlin war sowie Rudolf Virchow (1821 bis 1902) seine Pläne der Umsetzung einer Stadt-Kanalisation. Mit dem zwischen 1875 und 1892 fertig gestellten Hobrechtschen Kanal- und Rieselfeldersystem, die Abwässer landeten unter anderem auf den Feldern um diesen Ort und wurden zur Düngung genutzt, entwickelte sich Berlin damals zu einer der saubersten Städte der Welt. Übrigens ist ein Großteil der von ihm gebauten und konzipierten Kanalisation bis heute noch voll funktionstüchtig. Die Außerbetrieb-nahme der Rieselfelder und damit das Ende der Abwasserentsorgung um Hobrechtsfelde erfolgte im Jahre 1985. Heute sind hier sogar seltene Watt- und Wasservögel zu Hause. Zeitzeuge ist bis heute der weithin sichtbare sechsstöckige Kornspeicher geblieben. Mit der Inbetriebnahme dieser Anlage siedelten sich später ein Schlachthaus mit damals moderner Gefrieranlage, eine Schweinemastanlage und eine Molkerei im Ort mit an. Aufzeichnungen belegen, dass sogar ein Sägewerk aufgebaut wurde. Aus dieser einstigen etwa 1400 Hektar großen Rieselfeldlandschaft ist inzwischen ein Naherholungsgebiet geworden. Markierte Reit-, Rad-, und Wanderwege sowie gekennzeichnete Pkw-Parkplätze machen die Landschaft zur Erlebniswelt der besonderen Art. Und nicht zuletzt werden neue Konzepte, wie ein 15 km langer Rad- und Skater-rundweg oder der geplante Hochseilklettergarten, die Umgebung von Hobrechtsfelde weiter beleben. Wer also der Hektik des Alltags und der Großstadt Berlin entfliehen will, ein Ausflug in diese reizvolle Landschaft lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Kiez-Reporter: E. Nemschok

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