Kiez-Report Februar 2009: Seite 3

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Onkel Fritz und die Weltzeituhr

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit oder zu Beginn des neuen Jahres trafen wir uns. Wir, das war die Familie und nahe Verwandte. Ein naher Verwandter war auch Onkel Fritz, der mit unserer Tante Liesbeth in einem kleinen Nest, ca. 11 km von unserem Zuhause entfernt, wohnte. Die Ortschaft war klein und überschaubar. Alle kannten sich beim Namen, auch die der Hunde und Katzen.

Onkel Fritz war im Rentenalter. Der Weg zu uns war die größte Entfernung, die er in seinem Leben zurückgelegt hat. Das stimmt nicht ganz. Einmal in seinem Leben trat Onkel Fritz eine Weltreise an. Weltreise ist auch nicht korrekt, denn diese ging in die deutsche Hauptstadt, nach Berlin. Und die war so erlebnisreich, dass Onkel Fritz jedes Jahr zum Jahresendtreff der Familie darüber erzählen musste, obwohl sie alle bis ins Detail kannten.

Onkel Fritz fuhr also nach Berlin, um Tante Lene zu besuchen. Als er das Tageslicht nach Verlassen des U-Bahnhofs wieder sah, merkte Onkel Fritz, dass er den Namen der Straße vergessen hatte, in der die Tante Lene wohnte. In der Millionenstadt Berlin stellte sich Onkel Fritz am U-Bahnhof auf die Straße und fragte Fußgänger: „Kennen Sie Patzens Lene?“ Immer wieder wiederholte er diese Frage und wunderte sich, dass sich die Leute hier nicht wie in seinem Dorf auskannten. Der Zufall wollte es, dass er beim Herumirren an das Straßenschild kam, das anzeigte, wo Tante Lene wohnte.

Den Familientreff gibt es nicht mehr. Auch Onkel Fritz und Tante Lene haben sich von dieser Welt verabschiedet.

Immer wenn ich über den Alex schlendere muss ich an beide und an die „Weltreise“ von Onkel Fritz denken, weil der Alex und die hier aufgestellte Weltzeituhr heute mehr denn je Ausgangspunkt für Erkundungsreisen in dieser Stadt sind. 1969 wurde die Weltzeituhr bei der Neugestaltung des Alex aufgestellt. Der Industriedesigner Erich John hatte sie entworfen und Hans-Joachim Kunsch hatte den Aufbau ausgeführt. Auf einer 10 m hohen Säule dreht sich ein mit geätzten Aluminiumplatten farbig emaillierter, in 24 Segmenten unterteilter und mit schematischen geographischen Darstellungen von Ländern der Erde verzierter breiter Zylinder. Über dem Zylinder dreht sich die abstrakte Darstellung des Sonnensystems; Kugeln auf Metallkreisen zeigen sinnbildlich die Planeten auf ihren Bahnen an. Der Boden unterhalb der Stahlkonstruktion wurde mit einem Bodenmosaik in Form einer Windrose gestaltet. Die Weltzeituhr ist beliebter Treffpunkt in Berlin.

Von hier aus wollen auch wir in den kommenden Monaten Neues, Interessantes, Sehenswertes unserer Stadt besuchen und Sie darüber informieren.

Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel
 

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