Kiez-Report Mai 2009: Seite 4

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Auf den Spuren heldenmutiger Bernauer

Wenn Zickenschulze durch die Stadt zieht, Hexen auf dem Marktplatz tanzen, Ritter mit Schwert, Schild und Morgenstern kämpfen und der Henker schaurig aufmarschiert, ist Hussitenfest in Bernau. So wird alljährlich die fast 800-jährige Geschichte der Stadt wieder lebendig. In diesem Jahr erleben die Gäste vom 12. bis 14. Juni diese Zeitreise ins Mittelalter.

Die Legende, vom Versuch der Hussiten in die Stadt einzudringen, geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Geschichtsschreiber dokumentierten, dass die Überfälle eines kleinen Heeres vor den Toren der Stadt durch die tapfere Gegenwehr der Bernauer Bürger abgewehrt werden konnte. Selbst die Frauen sollen heldenmütig die Angreifer vertrieben haben. Sie schütteten siedenden Brei von der Stadtmauer auf die anstürmende Streitmacht herab. Mit den schützenden Wallgräben davor, war die bis zu acht Meter hohe Feldsteinmauer nicht so einfach zu überwinden. Da den Hussiten schweres Gerät fehlte, gaben sie den Versuch Bernau einzunehmen auf. Nach dem Abzug des Heeres waren die Bewohner so froh, dass man noch heute die Geschichte mit einem Fest wieder aufleben lässt.

Das Spektakel beginnt mit dem Öffnen des Tores am Steintor. Es ist das Wahrzeichen der Stadt, das in die etwa anderthalb Kilometer lange Mauer, die sich wie ein grüner Ring um die Altstadt legt, eingebaut ist. Ein Heer von Rittern in Vollrüstung mit Axt, Schwert und Morgenstern kommt auf die Besucher zu und führt sie zum „Brigantenlager“. Dort lodert schon das Feuer der Schmiede, Schwerter werden geschärft, Pfeil und Bogen gespannt. Jetzt bereiten sich die Hussiten auf die Eroberung der Stadt vor, während Gaukler, Tänzer und Musiker durch die historische Stadt führen und mit dem Volk ihre Späße machen. Sie zeigen den Gästen die aufwendig restaurierten Bürgerhäuser. Darunter das älteste Wohnhaus der Stadt, das 1583 erbaute Kantorhaus. Es geht zu den Wallanlagen, wehrhaften Türmen, zur St.-Marien-Kirche, dem alten Hospital, zum Kerker, Henkerhaus und anderen historischen Gebäuden. Mittendrin ist der Marktplatz. Er war im Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz für Bier- und Tuchmacher. Ja, vor allem durch die noch heute geschätzte Braukunst gelangte Bernau zu wirtschaftlichem Aufschwung. Das leckere Bier, was auch die Hussiten im Übermaß getrunken haben sollen, war vielleicht deshalb so gut, weil es mit dem Wasser der Panke gebraut wurde. Dazu ist folgender Ruf durch die Stadtdiener überliefert: „Es wird hiermit bekannt gemacht, dass niemand in die Panke macht, denn morgen wird gebraut!“ Na dann, Hopfen und Malz-Gott erhalt`s! Natürlich gibt es zum Fest auch Schauvorführungen der Brau- und Kelterkunst von anno dazumal. Alle historischen Handwerker, die an den drei Tagen auf dem Jahrmarkt ihre Kunst vorführen und Ware feilbieten, sind auch am Sonnabend in einem prächtigen Festumzug mit weiteren 1000 Akteuren zu sehen.

Kiez-Reporterin: C. Goesch


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