Kiez-Report Juli 2009: Seite 3
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Schinkels Neue Wache
Es ist eine vielbesuchte Gedenkstätte. Leider werfen die Mehrzahl der Besucher nur einen flüchtigen Blick in die Halle. Viele kennen die Geschichte des Gebäudes zwischen dem alten Zeughaus und der Humboldt-Universität. Zwischen 1816 und 1818 erbaute Karl Friedrich Schinkel diese Erinnerungsstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege. Seither haben die Herrschenden in den folgenden Jahrzehnten diese Gedenkstätte genutzt, um sich selbst zu präsentieren. In den Jahren 1930/1931 hat Heinrich Tessenow die Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. Weltkrieges gestaltet. Während der Nazizeit war die Neue Wache das Reichsehrenmal, in dem Hitler schaurige Heldengedenkfeiern abhielt. Den 2. Weltkrieg hat das Gebäude beschädigt überstanden. Um 1950 gab es im Ostteil der Stadt die Forderung den klassizistischen Säulenbau abzureißen und damit ein Stück unliebsamer Geschichte zu tilgen. Dazu kam es nicht. Die DDR-Oberen verwandelten die Neue Wache in eine Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus und Militarismus. Hierher wurden regelmäßig Staatsoberhäupter geführt und zackige Wachablösungen durchgeführt. Nachdem sich die DDR aus der Weltgeschichte verabschiedet hatte, machte die Regierung des wiedervereinten Deutschlands 1993 die Neue Wache zur Zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Die Gedenkstätte wurde umfassend restauriert. Die Ewige Flamme erlosch, die Gräber des Unbekannten Soldaten und des Unbekannten Widerstandskämpfers wurden mit dem riesigen Staatswappen entfernt. Eine Bronzetafel am Eingang erzählt die Geschichte des Gebäudes, eine zweite Tafel erinnert an die Völker, die durch Kriege und ihre Folgen gelitten haben. Eine Inschrift zitiert aus einer stark beachteten Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.“ Im Innenraum betrauert eine Mutter ihren im Krieg getöteten Sohn. Die Pietà von Käte Kollwitz wurde auf ein Vierfaches vergrößert und 1993 aufgestellt. Ihre Aufmerksamkeit richte ich auf das Relief am Giebel. Es symbolisiert Heldentum und Untergang im Krieg. Eine Victoria entscheidet für den rechts kämpfenden Helden. Links sind dargestellt: letzte Anstrengung, Aufmunterung zum Kampf, Flucht, Raub und Schmerz der Familie. Rechts sieht man Überwältigung und Trauer um einen gefallenen Helden. Schauen, lesen und nachdenken – es lohnt sich.
Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel

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