Kiez-Report Mai 2010: Seite 3

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Architektur im "Zuckerbäckerstil"

Mit einer weiteren Schönheit aus der Feder des Architekten Hermann Henselmann und seinem Kollektiv möchte ich heute an meine Reportage der Maiausgabe anschließen. Kommen Sie mit, wir gehen zum Strausberger Platz. Hier stehen wir inmitten des sozialistischen Klassizismus und werden fast erdrückt von dem monumentalen und deshalb eher abfällig bezeichneten "Zuckerbäckerbaustil" der 50er Jahre. An den 14-geschossigen Hochhäusern (ehem. Haus des Kindes und Haus Berlin) und an der gesamten Bebauung um den Strausberger Platz war Hermann Henselmann (1905-1995) mit seinen Mitarbeitern beteiligt. Er zählte zu den bekanntesten und einflussreichsten Architekten der DDR (u. a. Frankfurter Tor, Fernsehturm, Haus des Lehrers).

Eine eindrucksvolle Dokumentation hierzu gibt es unter:
http://www.foto-melange.de/html/die_karl-marx-allee.html

Die Karl-Marx-Allee hat unter ihrem früheren Namen Stalinallee (1949 - 1961) viel mit eigenen Augen gesehen und miterlebt. Ein sehr geschichtsträchtiges Ereignis, für viele vielleicht noch in Erinnerung, ist der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953. Hier in der Stalinallee begann der Streik der Bauarbeiter gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen und Preissteigerungen. Unzufriedenheit brodelte schon länger im Volk, jetzt kochte sie über. Der Aufstand wurde mit Hilfe sowjetischer Panzer nach einigen Tagen gewaltsam niedergeschlagen.

Heute ist davon nichts mehr zu spüren, es gibt keine Stalinallee und kein Stalindenkmal mehr. Gras ist über alles gewachsen. Sogar über eine Sprenggranate russischer Bauart, die am 19. April 2010 nahe am U-Bhf. Strausberger Platz bei Bauarbeiten gefunden wurde. Gras ist auch auf den Dachgärten gewachsen, die die Arbeiterpaläste neben Einbauküche, Fahrstuhl, Müllschlucker und Telefon so attraktiv machten. Hausgemeinschaften veranstalteten hier oben Feiern, man konnte sich in luftiger Höhe sonnen. Bis auf wenige Ausnahmen dürfen diese Dächer heute jedoch nicht mehr betreten werden. Eine Ausnahme gibt es auf dem Dach des Cafés Sibylle. Hier wurde vom Förderverein Karl-Marx-Allee eine Aussichtsplattform errichtet. Gegen einen Obolus kann man sie betreten und bei klarem Wetter bis zum Hügel des Mont Klamott, dem Häusermeer von Marzahn, ja sogar bis zu den Müggelbergen die wunderbare Aussicht genießen.

Kiez-Reporterin: Ch. Guthaus

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