Kiez-Report August 2010: Seite 4

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Oben ohne, ganz unten

... ist eine abgefahrene Entdeckungstour im offenen U-Bahnwagen. Diese Cabrio-Tunnel-Tour bietet die BVG für alle an, die einen Teil des 147 Kilometer Tunnelnetzes einmal ganz anders erleben möchten. Bei der Sightseeingtour geht es mit Sicherheitshelm auf dem Kopf und Knopf im Ohr auf das Schienennetz durch den Berliner Untergrund. Über Kopfhörer ist so der Moderator in allen drei Wagen gleich gut zu verstehen, wenn er über Historisches, Aktuelles und bauliche Veränderungen informiert.

Das Abenteuer beginnt schon bei der Auswahl um den besten Sitzplatz auf dem Einstiegsbahnhof der U5 am Alexanderplatz. Da gibt es Plätze mit Blick zur Wand und davor die Sitzreihe mit freiem Blick zum Bahnsteig. Wer aber setzt sich schon gern mit dem Gesicht zur Wand und wer weiß schon vorher, dass sich das Blickfeld kurz nach der Anfahrt ändern wird? Für die Entdeckungstour kann ich aber genau die Wandplätze empfehlen, denn durch den häufigen Wechsel der Gleise ist der Blick auf dieser Seite öfter frei. Schnell noch Helm und Kopfhörer aufgesetzt, die Tasche unterm Sitz verstaut und los geht’s.

Langsam schiebt eine Diesellok die offenen Wagen aus dem Bahnhof in den fast dunklen Tunnel. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h zieht schmeichelnd der Fahrtwind an den Fahrgästen vorbei. Quietschend nimmt die Bahn die erste Kurve und schon ist er da, der erste Richtungswechsel. Noch bevor wir auf der Strecke der U8 über den Alexanderplatz zum Bahnhof Osloer Straße fahren, zieht eine U-Bahn im Gegenverkehr stürmisch an uns vorbei. Die Fahrgäste im Normalverkehr drücken ihre Nasen an den Fensterscheiben platt, um die behelmten Fahrgäste zu sehen. So eine Tour erweckt schon ganz schön viel Aufsehen. Da werden die Bahnhöfe mit den wartenden Fahrgästen zu Zuschauerrängen und der Cabrio-Fahrer zum Star, der bei der Durchfahrt bewundert, belächelt und freundlich gegrüßt wird. Am großen Umsteigebahnhof Gesundbrunnen fährt die Bahn noch weiter abwärts, bis auf 12 Meter unter die Straße. Wir erfahren, dass der Bahnhof Brandenburger Tor sogar noch drei Meter tiefer liegt.

Da durch Berlin bekanntlich viel Wasser fließt, geht’s auch unter die Spree, den Landwehrkanal und die Panke. Jetzt wird es richtig kühl, aber es bleibt trocken im denkmalgeschützten Tunnelnetz der U-Bahn. Nun sind wir auf der Linie der U7. Mit über 30 Kilometern ist sie die längste Strecke im Berliner Untergrund. Für mich hat diese Linie die architektonisch interessantesten Bahnhöfe. Von Konstanzer Straße bis Rathaus Spandau sind die Wände kunstvoll mit Fliesen-Mosaik gestaltet oder mit Marmorplatten verkleidet.

Nach dem Umsetzen auf die Gleise der U8 ist es Zeit wieder aufzutauchen. Eine zweistündige Rundfahrt durch den Berliner Untergrund geht zu Ende.

Alle zwei Wochen startet die 40 Euro-Tunnel-Tour. Genaue Abfahrtszeiten und Reservierungen gibt es unter der Nummer 030-25 62 52 56.

Kiez-Reporterin: C. Goesch

 

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