Kiez-Report September 2010: Seite 4
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Südwestkirchhof Stahnsdorf - ein historischer Ort der stillen Kultur und Architektur
Schön und friedlich, so soll ein Ort der Bestattung sein. Doch der evangelische Kirchhof in Stahnsdorf ist weit mehr. Der zweitgrößte Friedhof Deutschlands ist mit seinen bedeutenden Grabstätten und historischen Bauten Zeugnis einer über hundertjährigen Kultur. Auf einer Fläche von über 200 Hektar wurde ein Friedhofspark mit monumentalen Grabbauten und beeindruckender Landschaftsgestaltung errichtet. Der Schüler von Peter Joseph Lennè, Gartenobermeister Louis Meyer war es, der in sein Gestaltungskonzept 1906 die gewachsene Natur mit einbezog. So entstanden ein wildromantischer Landschaftspark mit vielen verschiedenen Baum- und Gewächsarten und eine Kapelle aus Holz im Stil mittelalterlicher norwegischer Stabkirchen. Besonders interessant sind die künstlerisch gestalteten Grabmale der hier bestatteten zahlreichen Prominenz aus Kunst und Kultur, Politik und Wissenschaft. Unter ihnen Elisabeth Baronin von Ardenne, der Zeichner Heinrich Zille, der Architekt Walter Gropius, Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der Komponist der Oper „Hänsel und Gretel“ Engelbert Humperdinck oder der Forscher Ferdinand Freiherr von Richthofen. Sehenswert sind auch die Mausoleen der Familien Langenscheidt und von Siemens oder die Monumentalbauten vieler anderer Persönlichkeiten.
Mit dem Mauerbau 1961 viel der Friedhof in einen „Dornröschenschlaf“. Nun konnten viele Berliner aus dem Westteil ihre Gräber nicht mehr besuchen und pflegen. So hat sich die Natur an vielen Stellen unkontrolliert ausgebreitet. Ein Biotop für viele seltene Tiere und Pflanzen konnte entstehen. Viele Vögel und Fledermäuse, Rehe und wilde Schweine haben hier ihre Heimat gefunden. Wie in einem Märchenwald sehen die Bäume aus, die aus Mauerwänden wachsen und mit ihren Wurzeln die alten Steine spalten. Oder der Wildwuchs von Sträuchern und Hecken, der die Grabsteine verdeckt. Auch der Efeu, wie er sich durch mächtige Mausoleen und Tempel schlängelt, über Statuen rankt und über dekorative Brunnenplätze wuchert. Heute haben längst Touristen den Friedhofspark als Freilichtmuseum mit den Dokumentationen des 19. und 20. Jahrhunderts entdeckt. Sie besuchen die Ruhestätten und nehmen an Führungen zu den Gräbern, die unter Denkmalschutz stehen, teil. Diese finden an jedem ersten Sonnabend im Monat um 10 und 14 Uhr statt. Treffpunkt ist das „Infocafé“ am Haupteingang in der Bahnhofstraße. In der Kapelle finden wieder Trauerfeiern statt und die Konzerte in der Holzkirche, in hervorragender Klangqualität, sind sehr zu empfehlen.
Den Stahnsdorfer Südwestkirchhof erreicht man vom S-Bahnhof Teltow Stadt über die Buslinie X1 oder 601. Anmeldungen für Führungen oder für die Fahrt mit dem Elektromobil über das große Gelände werden gern unter der Nummer 03329-61 41 06 entgegengenommen.
Kiez-Reporterin: C. Goesch
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