Kiez-Report Mai 2008: Seite 3

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Rathaus im Wandel der Zeiten

Die über einhundert Jahre sieht man dem Gebäude im Sterndamm 102 des Stadtbezirks Treptow-Köpenick nicht an. Obwohl es durch Kriegsschäden "Federn" lassen musste, hat es seine Eleganz nicht verloren. Dass es sich zu seinen Nachbarn abhebt zeigt nur, es hatte eine besondere Funktion. Nach einem Entwurf des bekannten Charlottenburger Bildhauers und Architekten Georg Roensch entstand das im Neorenais-sancestil erbaute Johannisthaler Rathaus in den Jahren 1905 und 1906. Damals war Johannisthal noch eine eigenständige Gemeinde im Brandenburger Land. Mit der Eingemeindung des Ortes im Oktober 1920 änderte sich auch die Funktion des Gebäudes. Verschiedene Institutionen nutzten das Rathaus bis zur Wiedervereinigung.

Es war u.a. Außenstelle des Rathauses Treptow, Standesamt, Kartenstelle zur Verwaltung von Lebensmittelkarten, Kinder-hort, Polizei-Inspektion und Dienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit. Auch Verwahrzellen der Polizei waren im Keller untergebracht.
Das Rathaus Johannisthal wurde umfassend und denkmalgerecht rekonstruiert. Die jahrzehntelang defekte und kaum noch erkennbar gewesene Rathausuhr wurde wieder hergestellt.Heute werden die Räume durch das Bezirksamt und das Treptower Heimatmuseum genutzt. Der Ratskeller konnte als Gastwirtschaft wieder hergestellt werden.

Über zwanzig Ausstellungen hat das Museum der Öffentlichkeit präsentiert. Darunter waren Themen von überregionaler Bedeutung. Zu ihnen gehörten die Berliner Gewerbeausstellung von 1896, der Teltowkanal, die frühen Besiedlungen unter Friedrich II. und die "geteilte Nachbarschaft" genannten Erkundungen im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Treptow und Neukölln.

Ich treffe Alexander Kauther. Der ist hier in Johannisthal zu Hause. Er verweist mich auf die Frühzeit des Motorfluges und die Bedeutung des hiesigen Flugplatzes. Er hat viel Material gesammelt und Dokumentationen geschrieben, auch über die erste deutsche Pilotin Melli Beese. "Im nächsten Jahr begehen wir den 100. Geburtstag unseres Flugplatzes", sagt er mir. Wir brauchen viel Unterstützung durch freiwillige Helfer und Sponsoren. Jeder, der auf seine Weise helfen kann, ist uns willkommen!"

Wir tauschen unsere Visitenkarten aus und werden uns wiedersehen. Übrigens: Der Eintritt in das Heimatmuseum ist frei!

Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel

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