Kiez-Report Juni 2008: Seite 5

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Das Rätsel um den Ritter Christian Friedrich von Kalebuz
Neustadt (Dosse) ist mit seinem Haupt- und Landesgestüt bis weit über die Grenzen Brandenburgs bekannt. Die "Stadt der Pferde" befindet sich in der Ostprignitz-Ruppin und hat eine über 200-jährige brandenburgisch-preußische Tradition in der Pferdezucht. Die jährlich stattfindenden spektakulären Schau vorführungen ziehen die Besucher in ihren Bann. Wer aber weiß schon, dass nur zwei Kilometer entfernt seit 300 Jahren ein Wunder der Natur liegt? Der sagenumwobene und mumi fizierte Leichnam des Ritters Christian Friedrich von Kalebuz. Von Neustadt führt der Weg direkt über die Kampehler Straße in den gleichnamigen Ort zur Gruft des Ritters, unmittelbar an der Wehrkirche aus dem 13. Jahrhundert.
Eine grausige Legende umgibt diese Mumie. Christian Friedrich von Kalebuz lebte ab 1651 mit seiner Familie auf dem Rittergut in Kampehl. Hier führte er ein bewegtes Leben. Der Ritter hatte elf eigene und über 30 uneheliche Kinder. Sehr gern soll er das "Recht der ersten Nacht" ausgeübt haben. Doch die Maid des Schäfers Pickert verwehrte dem Kalebuz das Recht. Aus Rache soll der Ritter den Schäfer erschlagen haben. Vor Gericht schwor er jedoch seine Unschuld mit dem heiligen Reinigungseid, um freigesprochen zu werden. "Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen", so sein Schwur. 1702 verstarb der Ritter Kalebuz und wurde in der Familiengruft an der Kam pehler Kirche beigesetzt. 100 Jahre später sollten die Särge aus der Gruft umgesetzt werden. Beim Öffnen war man über rascht, dass von den Leichen eine nicht verwest war. Selbst die Kleidung war gut erhalten und auf dem Hemd waren deut lich die Initialen C. F. zu lesen. Viele berühmte Mediziner und Ärzte, wie Sauerbruch und Virchow, versuchten das biologische Wunder zu erforschen. Sie konnten sich die Mumifizierung nicht erklären. In Mitteleuropa ist das Klima weder trocken und heiß noch wurde die Leiche, wie in Ägypten, mit Salzlaugen, Ölen, Harzen oder Kräutern behandelt und somit auf künstliche Weise mumifiziert. Die heute fast zehn Kilo wie gende Mumie wird ihr Rätsel weiter in sich bergen. Was aber bleibt nach dem Besuch des "ledernen Ritters", ist das Gruseln. Das kann im rustikalen Landhotel "Ritterhof" langsam abklingen. Oder man nimmt die Erinnerung bis zum Schauplatz der Mordtat mit. Nur zwei Kilometer entfernt, an der Brücke über die Schwenze in Richtung Wusterhausen, soll der Geist vom Ritter Kalebuz noch heute spucken. Doch die kleine Brücke ist schnell überwunden und ein wunderschöner Wanderweg führt wieder zurück nach Neustadt. Der romantische Fontaneweg geht immer am Ufer der Dosse entlang.
Die Öffnungszeiten der Wehrkirche: Dienstag - Sonntag von 10 bis 16 Uhr oder nach Anmeldung unter 033970- 13405. Die Regionalbahn der Linie Berlin-Wittenberge-Berlin fährt stündlich.
Kiez-Reporterin: C. Goesch

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