Kiez-Report September 2008: Seite 5
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Tief durchatmen in Bad Wilsnack
Mit der Entdeckung natürlicher Heilmittel in der Sole und Moorerde von Bad Wilsnack entwickelte sich aus dem einst verschlafenen Ackerbürgerstädtchen ein Heilbade- und Luftkurort. Im Land Brandenburg ist die staatliche Anerkennung als „Thermalsole- und Moorheilbad" sehr selten. Nur noch die Stadt Bad Saarow darf diesen Titel tragen. Es sind Orte, wo die Luft besonders rein und sauerstoffreich ist. Ihre Moorerde ist eisenoxidhaltig und ein Bad im schwarzen Schlamm soll Rheuma, Gicht und andere Beschwerden des Bewegungsapparates heilen. Tagesausflügler und Gäste, die nach Bad Wilsnack kommen, haben vor allem ein Ziel: etwas für die Gesundheit tun. Neben den rein medizinischen Anwendungen bietet die Stadt und ihre Umgebung seelische und körperliche Entspannung bei Wanderungen durch malerische Wälder mit romantischen Flüssen.
Nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt, schon ist man im Erholungsgarten. Am Eingang vom Kurpark steht ein gigantisches Gradierwerk. Von meterhohen Wänden aus dichtem Reisiggeflecht sprüht salzhaltiges Quellwasser, das beim Hinabrieseln verdunstet. Wer jetzt „tiiiief" durchatmet spürt wie die Atemwege gereinigt werden, wie der feine Solenebel über die Haut und Atemwege aufgenommen wird. Der 55 Meter lange Weg um die Reisigwände erinnert an Spaziergänge an frischer Meeresbrise. Da bleibt man gern auch etwas länger. Wer nach diesem kostenfreien Angebot den Gesundheitseffekt noch verstärken möchte, nimmt ein Bad in einem der zahlreichen Heil wasserbecken der „Kristall Kur-und Gradiertherme" oder geht ins Saunaparadies im Stil der Märchen von 1001 Nacht.
Sehr zu empfehlen ist auch eine Wanderung zum nächsten beeindruckenden Bauwerk, einer Burg aus dem Mittelalter. Fernab vom Autoverkehr führt ein gut ausgeschilderter Weg vom Kurpark an Siedlungshäusern vorbei, durch einen reizvollen Wald, über Wiesen und Feldwege bis zur sechs Kilometer entfernten Plattenburg. Auf einer Anhöhe, in der Nähe des kleinen Flusses Karthane, steht die 1319 urkundlich erwähnte, älteste Wasserburg Norddeutschlands. Das Gebäudeensemble Ober-, Unter- und Vorburg ist von Wällen und doppelten Gräben umzogen und diente bis 1548 den Bischöfen von Havelberg als Sommerresidenz. Der Ritterund Ahnensaal ist mit prachtvollen Elementen aus der Zeit der Spätrenaissance ausgestattet und kann für Feierlichkeiten angemietet werden. Die Kapelle im Burghof ist ein beliebter Ort für den kirchlichen Segen zur Trauung. Neben interessanten Ausstellungsstücken im Museum finden regelmäßig Konzerte auf dem Burggelände statt. Kultureller Höhepunkt ist das mittelalterliche Burgspektakel im Sommer. Wichtig ist, dass man sich für Führungen unter 038791-7223 anmeldet. Nach dem kulturhistorischen Ausflug auf die Plattenburg geht es zurück nach Bad Wilsnack oder weiter über Groß Leppin zum Bahnhof Glöwen, wo der RE 4 wieder Richtung Berlin fährt.
Kiez-Reporterin: C. Goesch
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