Kiez-Report April 2006: Seite 3
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Das Olympiastadion, eine High-Tech-Arena im alten Gewand
Der Countdown für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland läuft. Die Berliner und ihre Gäste können sich auf sechs spannende Spiele freuen und auf einen Sieg beim Endspiel am 9. Juli im Olympiastadion hoffen. Die bewegte und vielseitige Geschichte des heutigen Stadions begann 1913. Zu dieser Zeit wurde in Berlin, im Grunewald, das „Deutsche Stadion" für Sportveranstaltungen mit 30.000 Zuschauerplätzen gebaut. Für die NS-lnszenie-rung der Olympischen Spiele 1936 forderte Hitler einen totalen Umbau. So entstand die bis dahin größte Sportanlage der Welt. Ein monumentaler Bau mit schnörkelloser Außenfassade aus fränkischem Muschelkalk. Im Krieg wenig zerstört wurde das Gelände später Hauptquartier der britischen Streitkräfte. Nach mehreren Instandsetzungsarbeiten und Umbauten fand hier 1974 die erste Fußballweltmeisterschaft Deutschlands statt. Das Land Berlin wollte aber mehr, eine Multifunktionsarena. So wurden neben zahlreichen Fußballturnieren unter anderem auch internationale Leichtathletik-Wettkämpfe ausgetragen, Rockkonzerte gespielt und der Papst war auch schon da. 1998 beschloss der Berliner Senat eine komplette Sanierung und Modernisierung bei laufendem Spielbetrieb. Die Kunst bestand darin, den historischen Charakter des unter Denkmalschutz stehenden Stadions zu erhalten und zugleich eine Sport- und Event-Arena zu schaffen, die den technischen und ökonomischen Anforderungen eines modernen Stadions entspricht. Diese große Herausforderung war dem Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner gelungen. Sie wurden im vergangenen Jahr für das fantastische Zusammenspiel von Architektur und Lichtgestaltung ausgezeichnet.
Vier Jahre hatte der Umbau gedauert. Stück für Stück, Segment für Segment, jede einzelne Muschelkalkplatte wurde behutsam abmontiert und gereinigt. Fundamente wurden neu in Beton gegossen und Sitzplätze für 76.000 Besucher verschraubt. Die spektakulärste Veränderung und technisch schwierigste Umsetzung war das offene, filigrane Dach. Ein gigantischer Glasüberbau und zum Marathontor hin offen. Das Dach wird von 20 Stahlbäumen gestützt und ragt 68 Meter in das Spielfeld hinein, so dass kein Zuschauer mehr nass wird. Unter dem Dach befindet sich eine Lichtanlage der Extraklasse. Effektvoll ist die Beleuchtung mit dem Ton gekoppelt, so dass die 1500 Watt Beschallungsanlage mit ihrer hervorragenden Akustik die Fans zur La-Ola-Welle animieren kann. Eine weitere optische Besonderheit und Kuriosität verdankt das Stadion dem Hausherren Hertha BSC. Der Verein setzte eine Herthablaue Tartanbahn durch.

Auch das Innenleben des Olympiastadions hat sich verändert. 76 edel ausgestattete VIP-Logen befinden sich im Mittelring. Die gut betuchten Zuschauer sitzen nicht auf Klappstühlen, sondern in bequem gepolsterten und mit Leder bezogenen Sesseln. Natürlich mit exklusivem Blick auf das Spielfeld und entsprechender Gastronomie. Unterirdisch ist für die Leichtathleten eine große Aufwärmhalle mit optimalen Trainingsmöglichkeiten auf fünf 100-Meter-Laufbahnen entstanden. Gleich nebenan das Heiligtum der Wettkämpfer, die Umkleideräume mit Fitnessbereich, im „Entmüdungsbecken", eine Art Whirlpool, können sich die Sportler bei 28 Grad entspannen und sich auf den Wettkampf vorbereiten.

Wer einen Blick hinter die Kulissen der WM-Arena 2006 werfen möchte, kann sich für 3,00 € (an spielfreien Tagen) individuell umschauen. Noch interessanter ist die Führung für 6,00 € in Bereiche, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind. Infos zu weiteren Führungen unter: 030-25 00 23 22.
Kiez-Reporterin: C. Goesch
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