Kiez-Report April 2006: Seite 4
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Besser als Don Felipe und Peppone
Ohne Rudi hätte ich Glambeck nicht kennen gelernt. Rudi ist ein Freund, ein Berliner und ein Atheist. Jährlich verlässt er von Mai bis Oktober sein Bettensilo in Lichtenberg und nistet sich in dem kleinen Walddorf in der Schorfheide ein. Weil er die Natur und die Kunst liebt, sich für Geschichte und Kunst interessiert, macht sich der Rentner im fortgeschrittenen Alter dort auch nützlich. Er arbeitet aktiv in der Denkmalpflege mit und ist der Dorfchronist geworden. So wundert es nicht, dass er begeistert über sein Glambeck spricht. Die Wiedereröffnung der Kirche am 2. Januar 2000 durch Bischof Huber, in Anwesenheit von Ministerpräsident Stolpe, ist sein Verdienst. Die Kirche wurde bereits 1978 unter Denkmalschutz gestellt, 1980 wegen Baufälligkeit gesperrt und von der Kirchenverwaltung aufgegeben. Die typische „Arme-Leute-Kirche" ist sehr einfach gebaut, fast ausschließlich aus heimischen Baustoffen. Sie trägt noch immer die Narben der Jahrhunderte. Die Glambecker Dorfkirche atmet ein einzigartiges Flair. Sie wird sakral, kulturell

und touristisch genutzt. Sie ist eine offene Kirche. Und Rudi, der Atheist, hat sogar die Ausstellung „1000 Jahre Christentum" organisiert. Das hat ihm die Anerkennung des Bischofs Huber eingebracht. Beide kamen ins Gespräch, besser als Don Felipe und Peppone. Huber kam wieder - mit seiner Frau. Beide führten eine Lesung über Fontane durch. Die Kirche wurde zu einem Ort der Stille, einem Ort der Kultur und der Gespräche. Maler und Fotografen zeigen hier ihre Werke, Musiker erfreuen Musikliebhaber aus nah und fern. Huber schrieb in einem Bischofswort am 4. Juni 2005: „ Die kleine Glambecker Kirche kann heute zu Recht als eine Kulturadresse gelten." Nebenan in der Kirchenklause wird Kaffee und Kuchen serviert. Die Denkmalschützer des kleinen Walddorfes hatten sich mehr vorgenommen, als nur die Kirche vor dem Verfall zu retten. Sie haben alte Feldsteinmauern, den Schlosspark und auch den Eiskeller saniert. Dazu gehört auch der Taubenturm, ein Wahrzeichen der Region, der auf Initiative des Generalintendanten der Königlichen Hofmusik und Besitzers des Gutes Glambeck, Friedrich Wilhelm von Redern, erbaut wurde. Seine schöne architektonische Gestaltung findet die besondere Beachtung aller Besucher. Dem Begründer der theoretischen bzw. mathematischen Physik, Franz Neumann, der im September 1798 in Glambeck getauft wurde, ehrte der Denkmalverein mit einem Gedenkstein. Der geschaffene Kultur-Landschafts-Pfad verbindet kulturhistorische Sehenswürdigkeiten. Zwischen Taubenturm und Dorfkirche befindet sich der Naturbeobachtungspunkt „Ausblick Weisetal". Der Kiez Report reicht nicht aus, umfassend Interessantes und Wissenswertes über den kleinen Ort in der Schorfheide aufzuzählen. Wenn Sie nach dem kräftigen Winter Ihre Ausflüge für die kommenden Monate planen, sollten Sie Glambeck berücksichtigen. Ein Besuch ist ganzjährig zu empfehlen. Informationen über Veranstaltungen erhalten Sie von Frau Eichhorn, Telefon/Telefax: 033361-70265. Von ihr erfahren Sie auch, wie Sie zu den monatlichen Konzerten kommen. Mit dem Auto fahren Sie auf der A11 in Joachimsthal ab, durchfahren den Ort in Richtung Templin. Hinter den Bahngleisen geht es rechts ab nach Glambeck.

Kiez-Reporter: Karl-Heinz Frenze!
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