Kiez-Report August 2006: Seite 3

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Berlin-Friedrichshagen, Bölschestraße


Die Bölschestraße führt vom S-Bahnhof Friedrichshagen bis hin zur Brauerei „Berliner Bürgerbräu". Sie ist mehr als einen Kilometer lang und 34 m breit. Auf den ca. 10 m breiten Bürgersteigen stehen z.T. 100-jährige Bäume. Ich selbst finde gut, dass ich hier unentgeltlich parken kann. Die repräsentativen Miethäuser der Gründerzeit, die kleinen Häuser mit Dorfcharakter und der Marktplatz geben einen architektonisch schönen Anblick. Die schmalen und nach hinten weitergehenden Grundstücke bieten attraktive und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten in vielen Varianten (Gewerbe, Ateliers, Gastronomie). Historie: 1753 von Friedrich II. als Kolonistendorf Friedrichsgnade gegründet, 10 Jahre später umbenannt in Friedrichshagen. Ungefähr 100 Familien ausländischer Handwerker (Bayern, Hessen, Böhmen u.a.) erhielten ein Morgen Gartenland und ein Morgen Wiese zur wirtschaftlichen Nutzung. Sie versponnen Baumwolle und züchteten dazu Seidenraupen. Um Nahrung für die Seidenraupen zu haben, wurden Maulbeerbäume gepflanzt. 1802 sagt man, wurde das letzte Baumwollgarn in Köpenick abgeliefert. Frauen und Kinder banden Reisigbesen (sie wurden als Besenbinder verspottet). 1849 entstand die Haltestelle der Eisenbahn Berlin-Frankfurt. Friedrichshagen wurde Villenvorort und beliebtes Ausflugsziel, erhielt um 1880 sogar den Titel „Klimatischer Luftkurort". 1869 entstand die Brauerei, Bootswerften und die Zigarettenfabrik. 1887 kam Hermann Gladenbeck mit seiner weltbekannten Bildgießerei. 7890 wurde wegen der ruhigen Umgebung und der Nähe zu den Verlegern hier der „Friedrichshagener Dichterkreis" (unter ihnen Wilhelm Bölsche - der Namensgeber) gegründet. 1927 wurde der Spreetunnel als riesige Alternative zur wetterabhängigen Fähre gefeiert. 2003 wurde auf dem Marktplatz das Bronzestandbild Friedrich II. wiedererrichtet (das Original ist 1945 verschollen). Nach so viel Historie schauen Sie entlang der heutigen „Bölsche": z.B. ins „Naturtheater Friedrichshagen" (in Nähe des Bahnhofs) zu einer Sommerkinovorstellung oder einem Freiluftkonzert. Sonntags lädt der Antikmarkt ein. Gefällt Ihnen das Adventskonzert der Chorgemeinschaft Schöneiche, so gehen Sie in die Christophoruskirche. Lassen Sie sich im afrikanischen Restaurant „Kiboko" (=Flusspferd) exotisch verführen; hier im Garten sind Stammreste des 1998 geschlagenen letzten Maulbeerbaumes zu finden. Oder: am 10. und 11. September 2006 gewährt die älteste Brauerei bei einer halbstündigen Führung anlässlich des Brauereifestes Einblicke in die „Kunst des Brauens". Na dann Prost!


Kiez-Reporterin: S. Schumann

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