Kiez-Report August 2006: Seite 5

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Es klappert die Mühle ...

Es ist eine lange Geschichte: Die Marzahner Mühlen. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts äußerten die Kolonisten aus der Pfalz den Wunsch, hier vor Ort eine eigene Mühle haben zu wollen. Doch die Kurmärkische Regierung wollte davon nichts wissen. Die Chronik weist den Mühlenmeister Christian Friedrich Krüger als den ersten Baumeister einer Mühle in Marzahn aus. Das war 1815. Im folgenden Jahrhundert wechselten die Besitzer. Eine vom Müller Maximilian Triller in Bernau erworbene Windmühle wurde 1905 nach Marzahn umgesetzt. Ähnlich wie bei der heute zu sehenden Mühle, handelte es sich um eine Bockwindmühle. Der Name rührt von einem Untergestell, dem Bock her, in dem das eigentliche Mühlenhaus gelagert ist. Es ist der älteste Windmühlentyp Europas. Das Einmalige an der Marzahner Mühle war, dass hier nicht nur Korn zu Mehl gemahlen, sondern auch Strom erzeugt wurde. Besonders im Jahre 1945, als es keinen Strom mehr aus dem zerstörten Berlin gab, versorgte der Müller Marzahn mit Energie. Bis 1958 war die Mühle noch in Betrieb. Sie versorgte u.a. den Tierpark Friedrichsfelde mit Schrot. Danach begann der Verfall der Mühle, die zu Beginn der Neubauaktivitäten in Marzahn abgerissen wurde. Als sich Berlin auf seine 750-Jahr-Feier im Jahre 1987 vorbereitete und das Interesse für die Geschichte der Stadt wieder erwachte, kam die Idee auf, in der unmittelbaren Nähe zum Dorf Marzahn eine Windmühle wieder aufzubauen. Der Mühlenberg wurde aufgeschüttet. Es begann eine mehrjährige Suche nach einer Windmühle auf dem Gebiet der damaligen DDR. Der Ostberliner Magistrat hatte für die lächerliche Summe von 18.000 DDR-Mark in Luckow bei Angermünde den Rest einer Mühle erworben. Doch dann kam die Wende. Die gekaufte Mühle blieb an ihrem Platz. Eine holländische Firma wurde mit dem Neubau beauftragt. Anfang des Jahres 1994 war sie fertig und seit dem 12. Mai 1994 wird wieder Mehl gemahlen. Seitdem lädt die Marzah¬ner Mühle auf dem Mühlenberg, der seit Mai 1998 auch ein Weinberg ist, alle Berlinerinnen und Berliner sowie ihre Gäste zu einem interessanten Ausflug in die Technikgeschichte ein. Von dem eigens durch das Bezirksamt eingestellten Müller Jürgen Wolf erfahren Sie, dass zwei Mühlsteine mit ca. 1,40 m Durchmesser das Korn mahlen, der Flügeldurchmesser 20,50 m beträgt, bis zu 1000 kg Mehl pro Tag gemahlen werden, die Mühle ein Gesamtgewicht von 40 t hat und ca. 200 Tage im Jahr mit Windkraft arbeitet. Der Müller führt, steht Rede und Antwort und erzeugt Mehl, das unter anderem von dem Bäcker im Dorf bezogen wird. Führungen für Schulklassen und andere Interessierte, Vorführungen der Getreidevermahlung und auch Mühlentrauungen können vereinbart werden. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, sonntags von 15 bis 17 Uhr (April bis Oktober). In den Sommerferien bleibt die Mühle geschlossen. Die Marzahner Mühle erreichen Sie in 12685 Berlin-Marzahn, Hinter der Mühle 4 oder telefonisch unter 030-545 89 95.


Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel

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