Kiez-Report September 2006: Seite 4
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Die Brockenhexe und den Mecklenburger Haken finden Sie in Wandlitz"Die Landwirtschaft ist die erste aller Künste. Ohne sie gäbe es keine Kaufleute, Dichter und Philosophen. Nur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt! Der diese Auffassung vertreten hat, war Friedrich II. Und Recht hat er. Ohne die revolutionären Umwälzungen und Fortschritte der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrhunderten könnten wir unser derzeitiges Lebensniveau vergessen. Die Arbeit auf dem Bauernhof war immer ein knüppelharter Job. Sicher auch einer der Gründe, warum die Tätigkeit in der Landwirtschaft in der Vergangenheit nicht so gefragt war. Die größte agrarhistorische Sammlung des Landes Brandenburg in Wandlitz auf 2.000 m2 Ausstellungsfläche bestätigt die eingangs zitierten Worte. „Die Einrichtung wird gut besucht", erklärt mir die Dame an der Kasse. Natürlich ist man nie zufrieden! Anerkennend spricht sie über die Oma-Opa-Generation, die mit den Enkelkindern das Museum besucht und vieles aus eigener Erfahrung berichtet.
Den Grundstein für das Museum legte der Wandlitzer Heimatforscher Walter Blankenburg (1901-1984) mit der Eröffnung seiner Heimatstube 1955. Hinter bescheidenen Fassaden verbirgt sich ein Kleinod der Berlin-Brandenburgischen Museumslandschaft. Ein Rundgang durch den dreiteiligen Ausstellungskomplex veranschaulicht Entwicklung und Wandel der Landwirtschaft während der letzten rund 200 Jahre. Es dokumentiert Agrargeschichte vom Ackerzirkel bis zur Zentrifuge, von den legendären Lands-Bulldogs (Foto) bis zum ZT300 aus DDR-Zeiten. Arbeitsgeräte und Gebrauchsgegenstände bezeugen Umfang und Mühsal des bäuerlichen Alltags in zurückliegender Zeit. Ein markanter äußerer Blickfang für das Agrarmuseum Wandlitz ist eine Dampf-Pflug-Lokomobile, die von der Firma Heucke in Gatersleben um 1900 gebaut wurde. Für spezielle land-und forstwirtschaftliche Arbeiten wurden Dampfpflüge bis in die 60-er Jahre genutzt. Wer die Zukunft gestalten will, der muss die Vergangenheit kennen. Deshalb sollten Eltern und Lehrer mit den Kindern das Agrarmuseum Wandlitz besuchen. In dieser Einrichtung erhält jeder Besucher Antwort auf viele Fragen. Wer weiß schon, was ein Scheffel oder eine Windfege ist? Wer kennt eine Kleegeige oder einen Mecklenburger Haken? Auch die „Brockenhexe" wirft Fragen auf.Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe des historischen Dorfkerns von Wandlitz in der Breitscheidstraße 22. Geöffnet ist die Einrichtung ganzjährig dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, bis Oktober auch samstags, sonntags und feiertags.
Für Gruppen und Schulklassen sollten Führungen unter 033397-2155 angemeldet werden.
Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel
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