Kiez-Report Oktober 2006: Seite 4

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Kranich-Saison in Linum

In Linum, knapp 40 Kilometer vor den Toren Berlins gelegen, ist die Natur noch ursprünglich und weitgehend unberührt. Die Auen und Feuchtgebiete sind ein Paradies für Zugvögel.
Laut trompetend und in großen Schwärmen fliegen Kraniche am herbstlichen Himmel übers Brandenburger Land. Bevor die silbergrauen, langbeinigen Vögel, aus der nördlichen Brutheimat kommend, weiter in den Süden fliegen, finden sie in Linum auf 240 Hektar, umgeben von Teichen und feuchten Wiesen, ein ideales Rastgebiet zur Stärkung für die große Weiterreise. Allein im Ort Linum wurden im Oktober an manchen Tagen schon über 50.000 Kraniche beobachtet. Mehr als doppelt so viele Tiere sind es in ganz Brandenburg.
Ihre Nahrung finden die Kraniche vor allem auf den weiten Feldern. Neben Mais und Körnern fressen sie sich mit Würmern, Käfern und Fröschen ein Fettpolster für den weiten Weg nach Spanien, Nordafrika, Südfrankreich oder Portugal an. Die Nacht verbringen die Vögel in seichten Gewässern, in denen sie stehend schlafen. Wenn im November der Nordwind die erste Kaltfront über die Rastplätze fegt, ist die Verschnaufpause beendet und die Abflugzeit für die Kraniche beginnt. Wer das Brandenburger Futterparadies nicht gleich verlassen möchte, fliegt spätestens wenn Schnee und Eis die Nahrung bedecken. Auf dem Weg in ihr Winterquartier können Kraniche an einem Tag bis zu 800 Kilometer mit einer Reisegeschwindigkeit von etwa 50 km/h zurücklegen. In einer Höhe von bis zu 3000 Meter schweben sie in der charakteristischen V-Form durch die Lüfte und der erstaunte Beobachter fragt sich jedes Jahr wieder: In welcher Rangfolge formiert sich der Zug dieser Vögel und wie kommt es, dass die Abstände so exakt gleich sind?
Im NABU Naturschutzzentrum, der Storchenschmiede Linum in der Nauener Straße 54, gibt es Antworten auf diese und andere Fragen. In einer Ausstellung und bei Führungen für Frühaufsteher oder bei Führungen zum abendlichen Schlafplatzeinflug kann man Interessantes und Wissenswertes über die Vögel erfahren. Wer möchte, kann das beeindruckende Schauspiel des Kranich- und Gänsezuges ganz nah erleben. Zum Schutz der scheuen Vögel werden die Besucher so geführt, dass man die Tiere ungestört beobachten kann.
Der Rhin- und Havelluch ist seit Jahren einer der größten Kranichrastplätze Europas und bietet mit seinen Reservaten und Aussichtspunkten die optimale, unmittelbare Begegnung mit der Natur.
Von September bis November finden an jedem Freitag, Samstag und Sonntag Führungen statt. Sie müssen unter der Telefonnummer 033922-50500 angemeldet werden. NABU bietet auch jeden Mittwoch einen Shuttlebus von Berlin an. Für störungsfreies und gutes Beobachten der Vögel sind dunkle Kleidung und festes Schuhwerk erforderlich.

Kiez-Reporterin: C. Goesch

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