Kiez-Report März 2007: Seite 3

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Die Quelle durstet

Der Dreißigjährige Krieg hatte auch im märkischen Land seine Spuren hinterlassen. Die Bevölkerung der Mark war auf ein Viertel reduziert. Die kleine, um 1240 von 13 Bauernfamilien besiedelte Gemeinde Woltersdorf, am Flaken-und Kalksee gelegen, war teilweise unbewohnt. Aber dann passierte etwas sehr Merkwürdiges. Die Woltersdorfer Bevölkerung wuchs schneller als die anderer Orte. Das schrieb man der luststeigernden Wirkung des aus dem Berg sprudelnden Wassers am Fuße des Kranichsberges zu. Die Woltersdorfer Liebesquelle hat so bis in die heutigen Tage ihre Anziehungskraft nicht verloren. Nur muss man fairerweise sagen, dass der nach der Wiedervereinigung vollzogene Bevölkerungszuwachs von 4.790 auf 7.390 Einwohner auf einen starken Zuzug zurückzuführen ist. Die Tatsache, dass Woltersdorf mit 12 % Einwohnern unter 15 Jahren das jüngste Dorf im Landkreis Oder-Spree ist, hat vielleicht doch etwas mit dem Wasser aus dem Kranichsberg zu tun. Dem Leser soll aber auch nicht vorenthalten werden, dass die Quelle gegenwärtig etwas durstet, kaum noch Wasser aus dem Berg kommt. So besteht die Gefahr, dass das beliebte Ausflugsziel an Attraktivität verliert. Schon gibt es Schuldzuweisungen. Die Gemeinde und der Verschönerungsverein Kranichsberg, der die Anlage pflegt, haben angeblich gegen den nachlassenden Wasserstrom nichts unternommen. Diese weisen das zurück. Durch eine Minikamera, die durch das Quellrohr geführt wurde, hat man festgestellt, dass das Auffangbecken im Berginneren defekt ist. So versickert das Wasser an mehreren Stellen im Hang. Die vorgesehene Reparatur des Auffangbeckens ist geplant, aber so einfach nicht. Über den baulichen Zustand des Berginneren liegen keine Informationen vor. Deshalb können auch über die Dauer der Reparaturarbeiten keine Aussagen getroffen werden. Der Bürgermeister von Woltersdorf ist optimistisch. Er unterstützt die Sanierungspläne des Verschönerungsvereins. Schließlich liegt der Gemeinde sehr viel an der Quelle. Ist sie doch für Woltersdorf ein Touristenmagnet. So wie der Aussichtsturm auf dem Kranichsberg. Aus einer Höhe von 105 m hat der Besucher einen malerischen Ausblick, bei klarer Sicht bis zum Berliner Fernsehturm. Hier wird man an die Zeit erinnert, als Woltersdorf noch Hollywood war. Joe May drehte am Kalksee so berühmte Filme wie „Das indische Grabmahl", „Herrin der Welt" und später „Der Tiger von Eschnapur". Noch heute sind hier Überbleibsel in der Nähe des Sees zu finden.

Kiez-Reporter: K.-H. Frenzel

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