Kiez-Report März 2007: Seite 4
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Die längste Bildergalerie Berlins
Sie trennte einst Ost- und Westteil der Stadt, Friedrichshain von Kreuzberg, Menschen diesseits und jenseits, Berliner, die vor der Mauer gelebt und hinter der Mauer Freunde und Verwandte besucht haben. Gemeint ist die vor 1989 streng bewachte Sektorengrenze und ein bis heute erhalten gebliebenes und bemaltes Stück der Berliner Mauer. Unter dem Namen „East Side Gallery" ist die Kunstausstellung unter freiem Himmel mit ihren über einhundert Wandbildern in aller Welt bekannt. Sie befindet sich am Spreeufer in der Mühlenstraße, zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke. Als damals die Mauer fiel, war die Freude auf der ganzen Welt so groß, dass die bis dahin unantastbare, graue Ostseite der Mauer ganz spontan von zirka 100 Künstlern aus 24 Ländern als Bilderwand erobert wurde. Sie sollte ein Symbol der Erinnerung und Auseinandersetzung für eine friedliche Überwindung von Grenzen sein. Die Motive erzählen von der Freude dieser einmaligen, historischen Situation. Sie spiegeln Stimmungen, Gedanken und beeindruckende Momente des Mauerfalls wieder. Einige der bekanntesten Werke sind der Trabant, der durch die Mauer fährt sowie der Bruderkuss von Breshnev und Honecker. Doch Bilder, die einst um die Welt gingen, wurden mit den Jahren immer unkenntlicher. Witterungs- und Umwelteinflüsse zerstörten die Mauermalerei und der Beton zerbrökkelte. Mit dem Zusammenwachsen der Stadt und die damit verbundene Bebauung der Grenzgebiete sollte auch die Bildergalerie verschwinden. Zur Rettung gründeten 1996 die Maler die Künstlerinitiative: „East Side Gallery e.V.", unter dem Vorstand von Mauerkünstler Kani Alavi. Der intensiven, aufopferungsvollen und ehrenamtlichen Tätigkeit vieler Künstler und Freunde war es zu verdanken, dass die Galerie, bis auf einen Mauerdurchbruch als Zugang zum Spreeufer, am alten Standort erhalten bleiben konnte und unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zu dieser Zeit waren fast alle Motive der einst so farbenfrohen Bilder aber kaum noch zu erkennen. Dem Verein fehlte das Geld für eine komplette Sanierung. Durch die Privatinitiative einiger Künstler und mit finanzieller Unterstützung der Berliner konnten bisher nur wenige Bilder ausgebessert werden. Jetzt, nach 16 Jahren harter Arbeit und Engagement, kommt die Unterstützung vom Bund und mit weiteren privaten Spendengeldern kann nun die Grundsanierung der Bilderwand beginnen. Von April bis Dezember 2007 kommen die ehemaligen Künstler aus aller Welt nach Berlin, um originalgetreu die Bilder noch einmal zu malen. Damit wird die einzige und längste Open-Air-Kunstausstellung der Welt wieder zum Ort der Erinnerung an eine friedliche Revolution.
Mit der Neugestaltung der Wandbilder wird hinter der Mauerlücke auch eine schöne Parkanlage mit Bootsanlegemöglichkeiten entstehen. Das macht diesen Ort für viele Berlinbesucher noch attraktiver.
Kiez-Reporterin: C. Goesch
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