Kiez-Report Oktober 2007: Seite 5
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Schaurig schön in der Zitadelle Spandau
Berlin-Spandau ist eine 775 Jahre alte Garnisonsstadt und bekannt durch die historische Altstadt und die alte Zitadellenfestung an der Havel. Sie ist Nordeuropas besterhaltenste Renaissancefestung aus dem 16. Jahrhundert, deren Ursprung auf eine mittelalterliche Burg zurückgeht. Mittendrin der 30 m hohe Juliusturm aus dem 13. Jahrhundert. Eine interessante Ausstellung im Kommandantenhaus zeigt das Leben auf der mittelalterlichen Burg, unter welchen schwierigen Bedingungen die Zitadelle errichtet wurde, die Rolle der Festung in den Napoleonischen Kriegen und die militärische Nutzung im Nationalsozialismus.
Heute sind in den alten Gemäuern auch Kunst und Kultur eingezogen. Auf der Bastion Kronprinz befindet sich eine Jugendkunstschule. Mehrere Künstler und Kunsthandwerker haben hier ihr Atelier. In den 8 m hohen Gewölben ist die Zitadellenschänke, wo man sich bei mittelalterlichen Gelagen vergnügen kann. Gegessen wird mit den Händen, aus Tonkrügen wird getrunken. Zur Erlebnisgastronomie gehören auch Bänkelsänger in historischen Kostümen, Zauberer oder Feuerschlucker. Der Zitadellenhof ist ein beliebter Veranstaltungsort für Handwerkerfeste, Großkonzerte und Theatervorstellungen. Die Festung ist aber nicht nur ein kulturhistorischer Platz, sondern auch ein geschützter Ort für Flora und Fauna. Hinter seinen fast 3,60 m dicken Mauern, finsteren Katakomben und Kellergewölben überwintern jedes Jahr Zehntausende Fledermäuse. Das Berliner Artenschutzteam bewacht die vom Aussterben bedrohten Säugetiere. Für Führungen zu den Schlafplätzen der Untermieter ist eine Anmeldung unter: 030-36750061 erforderlich. Besonders viele große und kleine Besucher kommen zum Halloweenfest am 31. Oktober. Auf der Suche nach dem ultimativen Gruseln gehen sie in den 5 Grad kalten und feuchten Fledermauskeller. Nur mal sehen, wie die angeblichen Kreaturen des Bösen kopfüber schlafend an der Decke hängen und dabei merkwürdige Zirpgeräusche von sich geben. Oder beobachten, wie sie beim Abflug in die Nacht ihr Maul aufreißen, als wollten sie gleich zubeißen. Das ist zwar schaurig schön, aber schnell wird der Besucher aus seinen Gedanken gerissen, um mehr über die wahren Lebensgewohnheiten dieser interessanten Spezies zu erfahren. Nur ganze 3 von 1000 weltweit vorkommende Arten ernähren sich in sehr kleinen Mengen vom Blut anderer Säugetiere. Die gibt es aber nur in Südamerika. Die anderen Fledertiere ernähren sich von Insekten, Kleintieren oder vegetarisch. Eine einzige Wasserfledermaus soll bis zu 2000 Insekten in einer Nacht erbeuten. Interessant zu erfahren: wo Fledermäuse sind ist die Natur noch intakt.
Wer danach aus der faszinierenden Unterwelt wieder auftaucht, kann den Halloweenbrauch bei Hexentanz und Feuerzauber nach mittelalterlicher Musik weiterfeiern.
Kiez-Reporterin: C. Goesch
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